Amico Fritz / Strasbourg (7.11.2014)

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  • November 8, 2014

Pietro Mascagni ? Cavalleria rusticana ! Und Bajazzo. Ach Unsinn, ist ja von dem anderen Dingens. Richtig, Leoncavallo.

 Mascagnis Ego hatte wohl nach seinem großen Erfolg mit der “Cavalleria rusticana” daran zu knabbern, dass der Erfolg in erster Linie dem Libretto zugeschrieben wurde. Daher musste bei seinem nächsten Werk ein möglichst banaler Stoff herhalten, um seine kompositorischen Fähigkeiten ohne Nebenkonkurrenten unter Beweis zu stellen. Und mit Nicola Daspuros vorhersehbarem Libretto zu einem eingefleischten Junggesellen (welch furioser Tenor: Teodor Ilincai), der sich innerhalb 83 Minuten ( ja – Paolo Carignani dirigiert ratzfatz – dabei hätte die Partitur etwas mehr “Luft” zum Atmen gebraucht) in ein Kirschpflückmädchen (Brigitta Kele – sehr schöner Sopran, obgleich manchmal ein wenig mehr Mimi und ein wenig weniger Tosca gut gewesen wäre) verliebt, alles eingefädelt von einem Rabbi (Elia Fabbian mit etwas aggressiver Tongebung) und beobachtet von einem Hosenrollenzigeuner (Anna Radziejewska – gerne mal als Carmen wiederkommen !), hatte er die richtige Idee. Und genau deshalb hat man in Strasbourg, den Langeweiler vorm Herrn alias Vincent Boussard mit der Regie beauftragt, die sich im sehr braven, aber ästhetischen Nacherzählen genügt und als Höhepunkt im zweiten Akt sechs lebendige Hühner auf der Bühne Saatgut picken lässt. Regietheatergegner werden hingegen entsetzt sein zu hören, dass Boussard im zweiten Akt Suzel einen Blumenstrauß nicht werkgetreu pflücken, sondern malen lässt.

Unabhängig davon – dieser “Amico Fritz” ist ein fantastisches Werk und die Darbietung in Strasbourg war – bei aller Kritik in Einzelpunkten – absolut und uneingeschränkt sehens- wie hörenswert. Schade, dass es bereits die Dernière war.

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