Vier Grobiane und Peter Grimes / München (26./27.10.2014)

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  • October 28, 2014

In München gibt es ja nicht nur das Opernhaus des Jahres, sondern auch kleinere Institutionen, die mindestens ebenso spannendes Musiktheater in Angriff nehmen. Das kann klappen, kann aber auch in die Hose gehen.
Ersteres war am Sonntagskonzert zu beobachten wo Ulf Schirmer eine konzertante Aufführung der “vier Grobiane” des Deutsch-Italieners Ermanno Wolf-Ferrari dirigierte. Allein angesichts der Tatsache, dass das Werk in München seine Uraufführung feierte, ein nachvollziehbare Entscheidung für diese Oper. Der heitere Handlungsrahmen (Vorlage: Goldoni) hemmt allerdings den Genuss ein wenig, obgleich die Sänger sehr engagiert, sehr pointiert ihre Rollen zum Besten geben – allen voran Jürgen Linn als misanthropischer Antiquitätenhändler, der seine Tochter vermählen will. Die Musik ist irgendwo zwischen einer deutschen Spieloper und einem abgespeckten Puccini zu verorten und macht viel Freude. Das Finale zum zweiten Akt hatte zudem ordentlich Schmackes. Wenn man bedenkt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viele Proben stattgefunden haben können, eine umso bemerkenswertere Leistung des gesamten Ensembles und auf jeden Fall reif für die im Programmheft angekündigte CD-Produktion für cpo.
Eher enttäuschend hingegen der “Peter Grimes”, der am selben Ort vom Gärtnerplatz gestemmt wurde. Vieles der manchmal auch zu vordergründigen Regie war symbolüberfrachtet und löst eher Verwirrung aus als dass eine Klärung herbeigeführt würde. Das Dirigat betonte – in meinen Ohren – zu häufig die Einzelstimmen, so als wollte man zeigen, dass das nun ganz besonders bemerkenswerte Stellen seien. Dabei hat das ein Britten gar nicht nötig. Die vielen kuriosen Exzentriker des Fischerdorfs waren kaum voneinander zu unterscheiden. Edith Hallers Ellen Orford war die einzig uneingeschränkt positive Überraschung an diesem Abend – und dass das Frauenquartett (?) im zweiten Akt plötzlich ganz schräg klang, dürfte eher an der blassen Auntie und deren beiden Nichten gelegen haben. Gerhard Siegel gab sein Rollendebüt und löste seine Aufgabe anständig – mehr als ein Achtungserfolg war es allerdings nicht. Siegel spielt diesen bemitleidenswerten Unympathen überzeugend – bei den so wichtigen, lyrischen Stellen (“Now the great bear”), die die Verletzbarkeit der Titelfigur aufzeigen, gelingt es Siegel jedoch nicht einmal annähernd zu berühren. Sein Tod lässt einen letztlich unberührt zurück. Und das ist eigentlich das Schlimmste, was man als Fazit bei diesem Meisterwerk ziehen kann.

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