La Boheme / Wiesbaden (10.10.2014)

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  • October 11, 2014

Zwei Musettas, kein Rodolfo…..

Zu einer gelungenen Boheme braucht es eigentlich nur eine passable Mimi und einen passablen Rodolfo. Der Rest ist nicht so schwer bzw. fällt nicht sonderlich ins Gewicht. Wenn also die Mimi oder der Rodolfo enttäuscht, ist das schade. Wenn beide enttäuschen, ist das eine Katastrope. Und wenn man sich bereits im ersten Bild fragt, wie lange die Inkubationszeit von Schwindsucht ist, also insgeheim die Hoffnung hat, dass beide bereits vor dem vierten Bild hinweggerafft worden sind ? Dann ist das Wiesbaden.

Die Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson ist eigentlich interessant, da sie eine konventionelle Regie mit ungewöhnlicher Optik ist (also ohne Pseudo-Realismus). Allerdings baut sie den interessanten Einfall, Mimi als Kunstobjekt, eine Art Projektion darzustelllen, nicht weiter aus. Das Dirigat von Zsolt Hamar war sehr angenehm und sängerfreundlich. Die Studentenclique war durchweg solide (auch nicht mehr) besetzt, Heather Engebretson war eine relativ soubrettige Musetta, aber dennoch hörenswert. Doch wie bereits angesprochen, krankte es an der Besetzung der beiden Hauptpartien. Sophia Christine Brommer ist für meine Ohren eine Musetta, aber das ist Geschmackssache. Störender ist die absolute Gefühlskälte, mit der Brommer diese Partie nahezu exekutiert. Das kann man m.E. auch nicht mit ihrer Darstellung als Kunstfigur im Rahmen der Regie begründen. Diese Mimi hat Gefrierbrand. Noch schlimmer allerdings der heillos überforderte Marco Jentzsch. War da das gesamte Besetzungsbüro auf Bestriebsausflug, als man beschloss, einem mittelprächtigen Wagnertenor einen Rodolfo anzuvertrauen ? Die Stimme war derart dünn jenseits der wagnervertrauten Höhen, so unitalienisch die Stimmführung (im vierten Akt flüchtet sich Jentzsch mehrfach ins Falsett), dass alles zu spät ist. Diese Puccini’schen Stimm-Aufschwünge mit dem Orchester, sie fanden nicht statt.

Hätte es sich um eine lieblose Sonntagnachmittagsvorstellung im Renternabo gehandelt, in der eben mal Ensemblemitglieder ran dürfen, dann wäre das nicht verzeihbar, aber immerhin nachvollziehbar. Aber Wiesbaden hat ja gar kein Ensemble mehr, jedenfalls im eigentlichen Sinne. Dafür einen großspurigen Intendanten, der auf Orlofsky macht (“Ich lad’ mir gerne Gäste ein”). Das hat man nun davon.

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