Frau ohne Schatten / Wiesbaden (12.9.2014)

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  • September 13, 2014

Szenischer Höhepunkt der gestrigen Frosch-Premiere war der Schlussapplaus, als der neue Intendant und Regisseur des Abends, Uwe Eric Laufenberg, in einer Wasserlache ausrutschte und auf die Fresse fiel. Und natürlich ganz allgemein, dass der ganze Unsinn ein Ende hatte. Die “magischen” Bereiche des hohen Paares in Szene zu setzen gelingt Laufenberg besser, aber selbst hier gibt es einen platten Realismus, der weh tut. So sieht man bei der Soloszene der Kaiserin im zweiten Akt parallel eine Folterszene, in welcher der Kaiser den Jüngling (?) mit mehreren Folterinstrumenten bearbeiten lässt. Warum, wurde nicht klar. Hatte was von Tosca, aber die hat in einer Frosch wenig verloren. Bei den Szenen mit Barak wurde es noch platter. Der kurze, mechanisch anmutende Beischflaf, den selbiger mit seiner Frau – beide übrigens vollständig bekleidet ! – im ersten Akt ausübt, hat etwas von Krankengymnastik. Und zum Jüngling mit goldenem Strintanga schweigt des Dichters Höflichkeit. Besonders platt dann die Tatsache, dass Baraks Frau im zweiten Akt tatsächlich schwanger ist und an dessen Ende die Amme das Kind in den Händen halt. Frosch auf vhs-Niveau. Besonders unverständlich jedoch die Anfängerfehler, die Laufenberg unterlaufen. So dürfte es einem alten Hasen eigentlich nicht passieren, dass man ganze Bereiche der Bühne nicht einsehen kann, wie z.B. die ganze Hinterbühne, auf der sich durchaus einiges tut, falls man im dritten Rang sitzt, oder auch die beiden Betten auf der linken Bühnenseite, die aufgrund der Paravents davor die Sicht versperren.


Musikalisch war der Abend ohne Glanz. Laufenberg hat ja das bisherige Ensemble geschreddert und arbeitet, wie es in Wuppertal geschieht, auf Stückvertragsbasis. Warum sich das bundesrepublikanische Feuilleton nicht auf ihn, sondern den Kollegen aus Wuppertal stürzt, wo das Geld ja wirklich nicht auf Bäumen wächst…? Das Frosch-Ensemble ist jedenfalls bunt zusammengewürfelt und harmoniert trotz einiger guten Einzelleistungen zu wenig. Bei den kleineren Partien waren manche Stimmen zu dominant und fügten sich nicht zu einem Ganzen. Die Amme (Andrea Baker) hat einen spitz klingenden Mezzo, aber manche Phrasen sollten halt schon mit etwas mehr Feingefühl vorgetragen werden. Die amerikanische Aussprache trägt nicht zu einem guten Gesamteindruck bei. Thomas Piffka sang sehr textverständlich, klang allerdings zunehmend wie der jaulende Spät-Kollo. Erika Sunnegardh gefiel als Kaiserin um einiges mehr, das etwas weiße Timbre ist Geschmackssache. Die Koloraturen sind etwas verwaschen (aber das sind sie ja meist – gleichwohl: im Januar singt sie in Wiesbaden die Norma !), die exponierten Stellen sind sicher. Allerdings war die Stimme viel zu groß für das Haus und man stellt sich anfangs die Frage, warum sie und Nicola Beller Carbone als Färberin die Rollen getauscht hatten. Die Antwort: Beller Carbonne fehlte es dann und wann an Höhe, gleichwohl auch darstellerisch ein gelungenes Rollenporträt, da sie ausreichend jugendlich klingt und nie nach einer verkappten Elektra. Oliver Zwarg war ein apathischer Barak, stimmlich erinnerte er an Wolfgang Koch, aber ohne an ihn (bei aller berechtigter Kritik an seinem Timbre) heranzureichen.

Das Dirigat des GMD war belanglos. Erst im dritten Akt hörte man so etwas wie Piani, kleinere Verspieler oder kurzfristige Abstimmungspannen mit dem Chor aus dem Off am Ende des ersten Aktes mögen auch der Premierennervosität geschuldet sein. Gleichwohl, bei keiner “meiner” drei Frosch-Stellen (Chor Ende erster Akt, “Übermächte” und “aus uns’ren Taten”) ging mir das Dirigat unter die Haut – und das tut es bei ein, zwei Stellen eigentlich immer. Egal, wie mies die Sänger oder schwach die Inszenierung sein mag. Nein, wegen dieser Frosch muss man nicht nach Wiesbaden reisen. Das Gros des Publikums, jedenfalls des Publikums, das bis Ende blieb, sah das anders und klatschte durchaus begeistert. Ein, zwei Buhs vom dritten Rang haben maximal Fußnotencharakter.

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