Salome und Elektra / London (30./31.8.2014)

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  • August 31, 2014

Man hätte sich besser vor der Aufführung einigen sollen – rein konzertant oder halb-szenisch ? Diese “Salome” litt in erster Linie daran, dass je nach Bedarf mit und ohne Noten(ständer) gesungen wurde. Jeder Versuch von Nina Stemme und Doris Soffel, das Ganze durch Schauspiel zu akzentuieren, wurde vom Rest der Besetzung im Keim erstickt. Nun denn….
Stimmlich war das eine ganz hörenswerte, wenn auch nicht außerordentliche “Salome”. Thomas Blondelle als Narraboth war kaum zu vernehmen. Samuel Youn (Jochanaan) und Burhard Ulrich (Herodes) hörte man an, dass sie den ganzen August bereits auf dem grünen Hügel Dienst getan hatten. Ersterer röhrte – durchaus rollendeckend – passabel, allerdings mit einem vernehmbaren “crack” und ohne Charisma; letzterer strahlte rein stimmlich zu wenig Gefahr aus und gab im wesentlichen eine Karikatur ab. Ganz anders hingegen Doris Soffel als Herodias, Bühnenpräsenz bis hoch zur Galerie und eine durchdringende Stimme machten ihre Darbietung zum Genuss, da störte ein Textaussetzer wenig. Und die Stemme ? Sie hat alles, was man sich von einer Salome eigentlich wünscht. Tiefe (“…wie eine Gruft”), Höhe (“weiß wie dein Leib”) und einen langen Atem. Trotzdem bleibt sie mir stimmlich zu kühl, zu distanziert, obgleich sie auf der Bühne wirklich agiert. Das Orchester der DOB unter der Leitung Runnicles’ spielte wie eine normale Repertoireaufführung. Spannung (im Sinne von “tension”) oder Geheimnisvolles konnte man nicht hören, vieles klang zu direkt.

Herausragend die “Elektra” am Folgetag. Seymon Bychkov dirigierte das BBC Orchester und machte deutlich, dass trotz problematischer Akustik Sänger nicht zugedeckt werden müssen. Hier fand bzw. hörte man all die Nuancen, die man bei der “Salome” noch vermisst hatte. Dass alle Sänger ohne Noten agierten, trug wesentlich zum Erfolg des Abends bei. Johan Reuter gab einen kernig klingenden Orest, Grun-Brit Barkmin gab mit ihrer expressiven, aber klangschönen Stimme ein bemerkenswertes Chrysothemis-Debüt. Felicity Palmer gab eine Klytemnästra, die am Rande der Senilität stand, kein hysterisches Weib. Leider blieb die Textinterpretation etwas blass. Neben Christine Goerke verblassten jedoch sowieso alle anderen. Ihre Elektra besitzt die notwendige Jugendhaftigkeit (kurzum: sie singt nicht wie eine gealterte Hochdramatische, die man in dieser Rolle oft zu hören bekommt), sie hat einen schier endlosen Atem und bombensichere Höhe (“der jauchzt”), die sie zudem auch lange halten kann (“seines Lebens freu’n”). Das schnell anspringende Vibrato ist Geschmacksfrage, mich störte es nur ein wenig bei den lyrischeren Stellen (“Königskind”). Bei aller Leibesfülle – Goerke spielt und lebt diesen Part in jeder Sekunde. Sie stapft bereits bei ihrem Auftrittsmonolog so vehement (“Siegestänze”), dass man sich fragt, wie sie diese Darstellung durchhalten will. Man wurde eines Besseren belehrt. Fantastisch !

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